22 Apr. 2018

Zwei Nürtinger im Kodokan


Die Nürtinger Judoka Marius Kölblinger und Valentin Hofgärtner verbrachten ihre diesjährigen Osterferien im fernen Japan. Sie erlebten zwei intensive Wochen – die wahrscheinlich spannendsten ihres bisherigen Lebens – und brachten eine Vielzahl neuer und positiver Eindrücke mit nach Hause.

Auf dem Programm der ersten Woche stand – von Osaka aus – die Besichtigung zahlreicher Sehenswürdigkeiten, Burgen, Tempel und Schreine in Kyoto, Nara, Himeji und auf der vor Hiroshima gelegenen Insel Mijajima. Auch während der zweiten Woche mit Schwerpunkt Tokio gab es jede Menge zu sehen. Im  Kontrast zu den Altertümern stand moderne Architektur wie zum Beispiel das Tokioter Rathaus mit überwältigendem Blick über die Stadt und der 634m hohe „Skytree“.

Für Kräftigung sorgte das fremde, wohlschmeckende, reichliche und darüber hinaus auch noch sehr preisgünstige Essen.

Überaus beeindruckend war die Freundlichkeit der Japaner, ihre große Hilfsbereitschaft und Rücksichtnahme. Trotz der großen Menschenmengen verläuft das Leben in den Straßen und öffentlichen Einrichtungen sehr geordnet. „Vordrängeln“ gibt es nicht, allerorts stellen sich die Menschen geduldig an – zumindest die Einheimischen. Negativ fallen diesbezüglich nur manche Touristen auf.

Neben dem touristischen Programm absolvierten die beiden Nürtinger auch vier intensive Trainingseinheiten im Geburtsland des Judosports. In der ersten Woche nahmen sie zweimal am Training in der Außenstelle des Kodokan in Osaka teil. Zwei weitere Einheiten folgten nach Ostern direkt im Kodokan in Tokio. Das Kodokan (japanisch, wörtlich „Halle zur Lehre des Weges“) ist die älteste und bedeutendste Judo-Schule der Welt. Sie wurde 1882 vom Begründer des Judo, Jigoro Kano, gegründet.

Die Nürtinger hatten schon von Deutschland aus in Osaka telefonisch eine Teilnahme am Training in Osaka angefragt. Dort sind ausländische Sportler offensichtlich eine Seltenheit, während sie im Kodokan in Tokio häufig anzutreffen sind. WJV-Geschäftsführer und u15-Landestrainer Thomas Schmid hatte die Nürtinger mit einem Empfehlungsschreiben an die Kodokan-Geschäftsstelle angekündigt.

Die „Dichte“ an Trägern des rot-weißen und roten Gürtels ist vermutlich nirgendwo höher als hier. Farbige Gürtel waren – außer bei den ausländischen Trainingsteilnehmern – nicht anzutreffen. Die allermeisten Jugendlichen trugen weiße Gürtel. Wenige von ihnen hatten einen schwarzen Gürtel um die Hüfte gebunden.

An beiden Trainingsstätten gingen die beiden Nürtinger jeweils zur ersten Trainingseinheit mit gehörigem Respekt auf die Matte. Zum einen war da die Unsicherheit, ob man mit den japanischen Judoka an diesen Leistungszentren würde mithalten können. Zum anderen wollte man auf keinen Fall durch Unkenntnis und Verletzung der Verhaltensregeln im Dojo negativ auffallen.

Der übergroße Respekt und die Berührungsängste waren aber schnell verflogen. Die Nürtinger wurden von Trainern und Athleten freundlich aufgenommen, und mit den meisten Japanern – von einigen absoluten Hochkarätern abgesehen – trainierte man auf Augenhöhe. Die Trainer achteten darauf, dass immer ein japanischer Uke zu Verfügung stand. Bei der jeweils zweiten Einheit wurden Marius und Valentin als gute Bekannte begrüßt. So wurde das Training in Japan zu einem überaus positiven und unvergesslichen Erlebnis.

Für die Judointeressierten noch Stichworte zu den wichtigsten Eindrücken und Erkenntnissen zum japanischen Training:

  • Dauer 1.5 Stunden in Osaka und 2 Stunden in Tokio
  • davor zusätzlich 30 Minuten Aufwärmen mit judospezifischen Übungen
  • sehr ernsthaftes, konzentriertes Training aller Teilnehmer
  • großer Respekt der Schüler vor den Trainer und erwachsenen Besuchern
  • trotz der Ernsthaftigkeit haben die Kinder und Jugendlichen offensichtlich großen Spaß am Training, auch im japanischen Dojo wird zwischendrin mal gelacht
  • es gibt Trinkpausen, vom Trainer angeordnet. Dazu verlassen die Judoka kurz das Dojo.
  • hohe Intensität, das Training ist komplett „durchgetaktet“, fast alle Übungen mit Stoppuhr auf Zeit, wenige Sekunden Zeit für Partnerwechsel
  • mindestens 45 Minuten Randori
  • auffällig am Kampfstil: Aufrecht, starker Griff, sehr dynamische und konsequente Wurfeingänge
  • Armhebel sind bei den Jugendlichen (vermutlich wegen der Verletzungsgefahr) nicht erlaubt, es darf aber gewürgt werden

Einige Bilder gibt es auf Flickr.